Der Wolf im Muldental

 

Durch die erbarmungslose Jagd auf den Wolf, galt dieser lange Zeit als ausgerottet. 

Fast 150 Jahre war Deutschland „wolfsfrei“. 

Doch immer wieder haben Wölfe versucht, von Polen über die Ostgrenze nach Deutschland zu gelangen. Bei ihren Versuchen wurden sie jedoch sofort getötet. 

Erst durch den strengen Schutz gelang es im Jahr 2000 einem zugewandertem Wolfspaar in der Oberlausitz erfolgreich Welpen großzuziehen. 

Fünf Jahre später gab es das zweite Wolfsrudel und seit 2009 gibt es auch Wolfsrudel außerhalb von Sachsen. 

Auch in Westpolen breiten sich die Wölfe weiter aus und bilden im Austausch mit den in Deutschland lebenden Exemplaren die Mitteleuropäische Flachlandpopulation. 

Mehr und mehr erschließen die Wölfe weitere Territorien, was für die Fortschritte des bundesweiten Naturschutzes spricht. 

Durch ein flächendeckendes Monitoring (systematische Erfassung durch verschiedene Beobachtungssysteme) wurden im Monitoring Jahr 2014/2015, 31 Wolfsrudel, 8 Wolfspaare und 6 Einzeltiere nachgewiesen.
Ein
Monitoring Jahr bezieht sich auf das erste Lebensjahr eines Wolfes, also vom 01. Mai bis 31. April des Folgejahres. In Sachsen selbst gibt es aktuell 12 nachgewiesene Wolfsrudel und eine territoriale Wölfin.
 

Die Rudel befinden sich hauptsächlich im Norden und Osten des Freistaates Sachsen. 

Gerade in der Oberlausitz, eine Region die wirtschaftlich geschwächt ist und dadurch einer hohen Arbeitslosenquote sowie einer damit verbundenen Abwanderung unterliegt, bringt der Wolf den Tourismus und ein „wiederbeleben“ in die Region. 

Mit der real steigenden Wolfspopulation, werden auch die erfundenen Beobachtungen immer häufiger. 

Und heutzutage ist es nicht mehr auszuschließen, dass einzelne Wölfe auch das Muldental, auf der Suche nach einem eigenen Territorium durchstreifen und so auf ihren Wanderungen beobachtet werden. 

Beispielsweise wurden einzelne Wölfe durch Wildkameras im Raum Markkleeberg, Großenhain oder aktuell in der Dübener Heide erfasst. Eine bekannte Wanderroute verläuft auch zwischen Grimma und Naunhof, entlang der A 14. Diese ist für Wölfe und andere Tiere eine natürliche Grenze, die es kaum zu überwinden gilt. 

Allerdings erweisen sich auch viele Sichtungen als Falschmeldungen. 

Bereits im Jahr 2014 sorgte ein Wolfshund im Landkreis Leipzig für Aufsehen und einige Fehlmeldungen. 

Und ein Jahr darauf glaubten viele Anwohner aus dem Bereich Altenhain, Ammelshain und Polenz ebenfalls einen umherstreifenden Wolf gesehen zu haben. 

Doch auch hier konnte man davon ausgehen, dass ein Großteil des Personen, statt eines Wolfes, nur einen zum Verwechseln ähnlich aussehenden Hund beobachtet hatten. 

Dieser stammte aus Altenhain und verließ nachts gern das Grundstück ohne seinen Besitzer. 

Als der Hund zur Weihnachtszeit letzten Jahres verstarb, verstummten auch die Stimmen über angebliche Wolfsichtungen. 

Weiterhin ging aktuell aus einer Pressemitteilung des Kontaktbüros „Wolfsregion Lausitz“ hervor, dass sich mehrere Meldungen über einen Wolf im Raum südlich von Leipzig als falsch erwiesen. 

Mit aller Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei den Beobachtungen, um eine Tschechoslowakische Wolfshündin, die am 10.04.2016 bei Kretzschau narkotisiert und eingefangen wurde. (Quelle: sz-online.de, 10.04.2016) 

Mögen diese Erkenntnisse für den Wolfsfreund enttäuschend sein, so freut sich der ängstliche oder unaufgeklärte Bürger. 

Angst und Abneigung gegenüber dem Wolf muss jedoch niemand haben. 

Auch wenn er in alten Märchen als Isegrim Furcht einflößend dargestellt wird, haben wir letztlich durch ihn, unseren besten Freund den Hund domestizieren und ins Herz schließen können.

Denn er ist der Vorfahre all unserer Hunderassen!

Heute weiß man, dass Mensch und Wolf schon vor Rund 30.000 Jahren gemeinsam auf die Jagd gingen. 

Leider berichten viele Medien gerne vom bösen Wolf, der wieder einmal einem Wohngebiet sehr nahegekommen ist oder gezielt einen Spielplatz gestreift hat. Dies kann man getrost als Sensationsgier oder Panikmache bezeichnen. Denn fast immer handelt es sich dabei um junge Wölfe die gezwungen sind, sich ab einem bestimmten Alter, ein eigenes Revier zu suchen. Der Nachwuchs wird dann von den Eltern gezwungen das Revier zu verlassen. Besetzte Reviere werden auch gegen andere Artgenossen aggressiv verteidigt. So wird auf natürliche Weise die Wolfspopulation reguliert und kann nicht wie oft behauptet, ins unermessliche steigen. 

Bereits in den Anfangsjahren der Wiederansiedlung von Wölfe in Deutschland, spekulierten Wolfgegner und Medien über Übergriffe auf Menschen. 

Aber seit der Rückkehr der Wölfe gab es keinen einzigen Vorfall. 

 

Alle in diese Richtung gelenkten Berichte erwiesen sich als haltlos und falsch. 

Natürlich darf man die Bedenken vieler Nutztierhalter nicht außer Acht lassen, denn auch Nutztiere fallen in das Beutespektrum des Wolfes. 

Umso wichtiger ist die Verantwortung der Halter, Herdenschutzmaßnahmen umzusetzen. 

Darüber hinaus bekommen die Geschädigten bereits eine Ausgleichszahlung durch die entsprechenden Länder, wenn Wölfe für den verursachten Schaden nicht auszuschließen sind. 

Auch wenn es zu Verlusten kommen kann, gehören Nutztiere prozentual nicht unbedingt zum Speiseplan des Wolfes. 

Dies zeigt eine unwiderrufliche Studie, die das Lupus Institut anhand von Wolfslosung – dem Kot des Wolfes durchgeführt hat. 

Das Ergebnis zeigt das die Nahrung eines Wolfes zum größten Teil aus Wildtieren, wie Rehen und Wildscheinen bestehen. 

 Gerade einmal 0,75 % Biomasse machen Haustiere in der Nahrung der Wolfe aus. 

Das ausführliche Ergebnis dieser Studie, sowie viele weitere Informationen zum Thema Wolf könnt ihr unter: 

 

Nahrungsökologie des Wolfes 

und 

www.wolfsregion-lausitz.de 

nachlesen. 

 

Weiterhin zeigt die Studie, wie haltlos und paradox einige Argumente von Wolfsgegnern sind. 

Es ist bekannt das Schäden in der Land- und Forstwirtschaft durch eine Überpopulation an Reh- sowie Schwarzwild entstehen können. 

Zeitgleich erklären auch die Jagdverbände, dass sie die Bestände der genannten Wildtieren nur mit Mühe eindämmen können. 

Warum also erklärt man den Wolf trotzdem zum Feind und Konkurrenten? Ist er nicht eher ein Verbündeter bei der Regulierung von Beutetieren? 

Der Wolf erkennt auch krankes Wild und das viel besser.
 So trägt er nicht nur zur Regulierung, sondern auch zum Erhalt gesunder Bestände bei. 

Kanadische Studien zeigten, dass Wölfe kranke Tiere bis zu vier Wochen vor Ausbruch einer Krankheit erkennen konnten. 

Menschen die sich trotz aller Tatsachen nicht geschlagen geben, behaupten nun der Jagderfolg bleibe aus, weil sich durch den Wolf weniger Wild im Gebiet befindet. 

An dieser Stelle sei gesagt, dass es seit dem Mittelalter noch nie so viel Reh- und Schwarzwildbestände gab wie heute. 

Damals wurden Wälder intensiv für die Haltung von Nutztieren missbraucht – eine sogenannten Hutewald Wirtschaft. Darüber hinaus war die Waldrodung schonungslos und unüberschaubar. 

Bis zu 3000 Eichen wurden beispielsweise für ein großes Segelschiff königlicher Flotten gefällt. 

Mit steigendem Verantwortungsbewusstsein für die Natur und intakter ökologischer Kreisläufe, wird auch die Zahl der Wölfe steigen.
 Somit besteht auch die Möglichkeit, dass sich einzelne Wölfe oder ein Rudel irgendwann einmal im Muldental ansiedelt.
 
 Angst davor braucht aber niemand zu haben.

 

Autor: Jens Hörig 

April, 2016